München-Terror und der Tag danach

Der München-Terror war für mich ein tiefgehender Schock. Was dort vor einer Woche geschehen ist, lässt mir jedes Mal wieder einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Und das gleiche Gefühl beschleicht mich, wenn ich am Olympia- Einkaufszentrum vorbeikomme. Der Tag nach dem Attentat in München wird mir sicherlich noch lange Zeit in Erinnerung bleiben.

Allerdings hat mir der München-Terror auch etwas gezeigt. Nämlich dass man sich noch immer auf das Mitgefühl und die Unterstützung seiner Mitmenschen verlassen kann. Und das ist ein beruhigendes Gefühl!

Stevy

Der München-Terror war ein Schock …

Obwohl ich relativ weit vom Ort des Geschehens entfernt war, habe ich den München- Terror hautnah miterlebt. Besonders verstörend waren die Einsatzkräfte, denen man an jeder Ecke begegnete. Zumindest bis man einen Unterschlupf gefunden hatte. So paradox es sich liest, aber als ich erfuhr, dass es kein „echter“ Terroranschlag, sondern ein Attentat war, war ich zunächst erleichtert. Doch dann drangen immer mehr Informationen über den München-Terror ans Licht und die Erleichterung wich dem Entsetzen. Es fällt mir nach wie vor schwer zu begreifen, warum ein so junger Mensch zuerst mehreren anderen das Leben nimmt und dann sich selbst. Man könnte ihn beinahe bemitleiden, wenn man sich mit seiner inzwischen bekannten Krankengeschichte befasst. Aber diese abscheuliche Tat, die er begangen hat, hat ihre Spuren hinterlassen.

Allerdings hat mir der München-Terror auch etwas gezeigt. Nämlich dass man sich noch immer auf das Mitgefühl und die Unterstützung seiner Mitmenschen verlassen kann. Und das ist ein beruhigendes Gefühl!

Die spontan eingeleitete Aktion #OpenDoors hat mir Hoffnung gegeben. Auch wenn man in den vergangenen Wochen immer wieder befürchten musste, dass die Gesellschaft zunehmend verroht. Aber an diesem schwarzen Freitag haben die Menschen ihr Herz geöffnet. Bereitwillig haben sie ihr Heim miteinander geteilt und sich gegenseitig Schutz geboten – über alle sonstigen Differenzen hinweg.

Aussicht auf München

Der erste Spaziergang nach dem München-Terror …

Wer einen ganz „normalen“ Samstag in der City kennt, hat sich nach dem München- Terror sicher erschrocken. Die Atmosphäre war beängstigend. Um das Olympia- Zentrum herum hatte die Polizei großräumig abgesperrt. Und es lag eine unangenehme Stille in der Luft. Dieses bedrückende Gefühl an Orten, an denen etwas Schreckliches passiert ist, wird sicherlich noch lange an dem Olympia- Einkaufszentrum haften. Aber nach der nervenaufreibenden Nacht musste ich einfach raus.

Die Nachrichten waren voll von den Ereignissen – ständig neue Informationen. Die Gewalt und Gefahr waren lange Zeit in weiter Ferne, doch innerhalb weniger Stunden hatte ich plötzlich Angst vor einem Terroranschlag in München.

Auch wenn sich bald herausstellte, dass es ein Attentat eines einzelnen geistig verwirrten Täters war, mein Sicherheitsgefühl hat merklich darunter gelitten.

Trotzdem war die Szenerie am Olympia-Einkaufszentrum berührend. Der Anblick der vielen Menschen, vereint in stiller Trauer. Das Blumenmeer um die Absperrungen herum. Auf einmal wirkte die Stille andächtig. Auch ich habe dort einen Strauß niedergelegt. Zwar kenne ich keines der Opfer, aber in diesen schweren Stunden ist man in München zusammengerückt, hat zusammen getrauert und man versucht noch immer zusammen, das Geschehene zu verarbeiten. Und doch haben mir die schrecklichen Ereignisse noch etwas Weiteres klargemacht.

Auch wenn die Zukunft ungewiss scheint, eins wissen wir: Wir können hoffen. Hoffen auf eine breitere Zukunft. 

Was mir der München-Terror gezeigt hat …

Ich hatte große Sorge, dass die Ereignisse für rechte Propaganda genutzt werden, als bekannt wurde, dass ein Deutsch-Iraner für den München-Terror verantwortlich war. Aber statt sich nach dieser Hasstat mit Hass erfüllte Massen auf den Straßen versammelten, rückten wir alle zusammen. Wir haben zusammen getrauert, den Schmerz geteilt und versucht zu verstehen. Wir haben für die Angehörigen Mitgefühl gezeigt. Und wir haben gezeigt, dass wir uns zusammen nicht von solchen Taten unterkriegen lassen.

Auf meinem Heimweg – den Kopf noch voll mit den unterschiedlichsten Gedanken, kam ich an eine Straßenecke. Ein Mann im I. Obergeschoss verschenkte jeweils eine Flasche Bier für ein Lächeln. Zwar muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich so früh noch kein Bier trinken kann. Aber das sich auch in dieser Zeit jemand darum bemüht, den Menschen ein Lächeln abzugewinnen, hat mich mit Freude erfüllt.